Kaffeeklatsch

 

 

Ich weiss, ich wiederhole mich, aber man kann es nicht genug betonen „ Love cake? Live in London!“

  

Besuche in Irland verursachen immer ein bisschen Heimweh nach der zweiten Heimat. Meine 6 Jahre in (einer) der schönsten Städte der grünen Insel, der lebenslustigen Küstenstadt Galway, haben ein paar tiefe Spuren hinterlassen. England hat hier teilweise eine ähnliche Wirkung.

  

Natürlich sind die beiden Länder in vielen Belangen komplett unterschiedlich, und ich werde mich hüten solche Bemerkungen in der Gegenwart eines echten Iren zu äussern ;-) Aber wenn wir ganz ehrlich sind, einige Parallelen gibt es schon..

 

Der Geruch eines deftigen Frühstücks der einen am Sonntagsmorgen aus dem Bett lockt; ein geselliger Abend mit lieben Freunden und guter Musik im Pub; eine Spritztour und ausgedehnte Spaziergänge dem Meer entlang; die kleinen, feinen Cafés die alle ihren ganz eigenen Charme haben; der Corner Shop im Quartier, wo man auch spät abends zum Liter Milch noch ein fröhliches „How are you, love?" oben drauf bekommt.

  

Und Stil haben die britischen Inseln auch. Ich gebe zu, ich mag es wenn einem die Tür aufgehalten wird. Die ersten Wochen in Galway bin ich regelmässig wie angewurzelt neben Arbeitskollegen und männlichen Wesen im Freundeskreis stehen geblieben, bis diese mir mit einem freundlichen „After you" auf die Sprünge geholfen haben. Manch eine mag hier jetzt entsetzt protestieren, aber ich finde es hat Stil und ist überhaupt nicht selbstverständlich, wenn Mann Frau die Tür aufhält oder den Vortritt lässt. Dafür backe ich dann gerne den Kuchen und ein besonders grosses Stück davon gibt’s für alle Gleichberechtigungsfanatikerinnen.

 

Natürlich ist es wichtig und richtig, Männer und Frauen gleich zu behandeln. Ich glaube nur, die totale Gleichberechtigung gibt es nicht, und interessanterweise wird sie grad von uns Frauen bei gewissen Aspekten kommentarlos ausgeklammert. Es gibt ihn nun mal den kleinen Unterschied, und er macht das Leben doch erst richtig spannend.

  

Jetzt bin ich aber ganz schön vom Thema abgeschweift… Eigentlich wollte ich mich an diesem nebligen Oktobernachmittag in ein gemütliches Café in der englischen Hauptstadt träumen, z.B hier, ins BB County Hall, da lassen sich solche Diskussionen, dampfende Tasse Tee in der einen, und ein leckeres Stück Kuchen in der anderen Hand, gleich viel besser führen:

 

 

 

Das Bistro mit französischem Flair lag direkt neben meinem Hotel für die letzten 3 Nächte, nur einen Katzensprung vom London Eye entfernt. Nach dieser Entdeckung war ich sogar richtig froh, nur ein Bett gebucht zu haben. So konnte ich zum späten Frühstück ein leckeres Croque Monsieur verdrücken, um anschliessend frisch gestärkt London unsicher machen.

 

 

 

 

Zur Zeit würden kräftige Herbstfarben natürlich besser passen, aber der nächste Frühling kommt bestimmt.

  

Neben lieben Menschen in der Schweiz, waren es die Jahreszeiten die mir manchmal etwas gefehlt haben in Irland. Das Wetter auf der Insel wechselt zwar schnell, für die Jahreszeiten gilt dies aber nicht. Den luftig-leichten Frühling, den hitzigen Sommer oder den schneeweissen Winter bekommt man auf der Insel weit weniger deutlich zu spüren. Da nützt es auch nichts, wenn man sich nach 4 Jahren in Galway fest entschlossen einen Grill zulegt. Erstens fehlt der Balkon und zweites macht ein Grill noch keinen Sommer. Es gibt wohl Tage an denen 3 verschiedene Jahreszeiten vorbeischauen, die Temperaturen bleiben jedoch gemässigt. Lange Hitzeperioden oder kräftiges Schneetreiben bleiben aus. Vermutlich ist der Herbst in Irland sogar der Extremste im Bunde, der an seinen stürmischen Tagen schon mal kräftig mit Meerwasser spritzt und einem Sand in die Augen wirft.

  

Hier sind wir leider weit weg vom tosenden Meer. Dafür freue ich mich auf lange, farbige Waldspaziergänge mit raschelndem Laub unter den Sohlen, meine Füsse am liebsten in die knallbunten irischen Gummistiefel gesteckt, auf orange leuchtende, dicke Kürbisse, glänzende Kastanien, kuschlige Abende auf dem Sofa oder ein schmackhaftes Wildgericht auf dem Teller. Und dabei immer einen Kuchen im Ofen. Herrlicher Herbst.

 

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